Vor elf Tagen habe ich euch erzählt, wie ich den schwarzen Hund festgebunden und in die Ecke gestellt habe. Elf Tage ist das her. Elf Tage, in denen ich mich richtig gut gefühlt habe.
Und dann stand der Alltag wieder vor der Tür. Der klingelt nicht mal. Der kommt einfach rein, hängt seine Jacke auf und tut so, als hätte er hier ein Zimmer.
Immerhin: Die Kinder haben Ferien. Das nimmt Stress raus, denkt man. In Wahrheit lagert der Stress nur um, wie Gepäck, das man von einer Hand in die andere nimmt. Denn was macht man mit zwei großen Jungs, die noch keine Erwachsenen sind, aber schon ganz genau wissen, was sie wollen? Richtig. Man ist Schiedsrichter, Fahrer, Koch und Blitzableiter in einer Person. Nebenbei muss man sich noch um sich selber kümmern, um diesen Hund an der Leine, den ihr mittlerweile kennt. Und dann ist da noch die Frau, die auch zu Recht ihren Platz will.
Jetzt sagt ihr alle: Willkommen im Club, haben wir auch. Habt ihr recht. Und trotzdem sehe ich gerade das kleine Grinsen in euren Gesichtern. Weil ihr genau wisst, was jetzt kommt. Der Satz, den keiner laut sagt. Also sage ich ihn: Meine Kinder nerven mich. Manchmal. Richtig. Na, wer hat gezuckt? Packt euch an der eigenen Nase. Wir geben es nicht zu, weil wir sie ja lieben, weil wir alles für sie tun. Ich auch.
Sie sind meine linke und meine rechte Herzklappe.
Genau deshalb erzähle ich euch heute von gestern. Von einem Tag, der eigentlich perfekt werden sollte. Der perfekte Tag? Mit Fragezeichen. Merkt euch das Fragezeichen, wir kommen darauf zurück.
Dieselbe Zahnbürste, dasselbe Leben
Der Tag fing an wie jeder Tag. Und genau das ist mein Problem.
Ich habe mich morgens aus Herbie gequält, weil man ja nicht jünger wird und der Bus mir inzwischen das eine oder andere Wehwehchen mit aus dem Bett gibt. Dann Zähneputzen. Derselbe Spiegel, dieselbe Zahnbürste, derselbe Ablauf. Leute, ich muss euch was gestehen: Dieses Jeden-Tag-das-Gleiche macht mich wahnsinnig. Ich komme darauf nicht klar. Andere finden Halt in Routine. Ich finde darin nur Wände.

Und da vermisse ich, es tut mir leid, dass ich das sage, meinen alten Job. Die Fliegerei. Ich weiß, wie verrückt das klingt, ausgerechnet aus meinem Mund. Dass dieses Leben meine Gesundheit aufgefressen hat, müssen wir nicht noch mal durchkauen. Aber es hatte eine Sache, die mir heute fehlt wie Salz in der Suppe: Kein Tag war wie der andere. Heute New York, morgen daheim, übermorgen sonst wo. Verschiedene Welten in einem einzigen Moment. Und jetzt? Jetzt wache ich jeden Morgen im selben Bus an derselben Stelle auf. Ihr da draußen sagt vielleicht: Ja und? Was ist daran schlimm?
Für mich ist Routine keine Sicherheit. Für mich ist sie die Hölle.
Ich brauche Abwechslung wie andere Luft. Das ist keine Marotte. Das ist ein Teil von dem, was in mir manchmal so laut wird.
Der Moment auf der Treppe
Aber dann gibt es diese Momente, die alles kurz zum Schweigen bringen.
Kaffee war gerade fertig, da kam der Große die Treppe runtergetrottet. Maximilian. Total zerknautscht, die Haare in alle Himmelsrichtungen, in dieser neuen Größe, an die ich mich selbst noch gewöhnen muss. Und dann nimmt dieser halbe Erwachsene dich einfach in den Arm. Wortlos. Noch bevor er aus seinen eigenen Augen rausschauen kann.

Leute, speichert solche Momente ab. Brennt sie euch ein. Eure Kinder werden so schnell so groß. Ich ertappe mich jetzt schon dabei, wie ich alte Fotos anschaue, aus Zeiten, in denen sie noch Babys waren. Und heute? Heute sind das keine Kinder mehr. Das sind kindliche Erwachsene auf dem Sprung. Aber dieser eine Arm um meine Schulter, morgens auf der Treppe, der sagt: Du wirst noch gebraucht.
In solchen Momenten hat der schwarze Hund Hausverbot. Da gehen meine Kinder vor. Immer.
Maximilian hat sich dann vor den Fernseher gesetzt, Outer Banks, seine neue Lieblingsserie. Eigentlich eine Papa-Serie. Aber was Papa mag, mag Maximilian auch. Ich sage dazu nichts. Ich grinse nur still in meinen Kaffee.
Kurz was in eigener Sache
Während er schaute, habe ich mal wieder mit meiner KI gekämpft, um Token und Limits und all diesen Kram. Und da muss ich einen Gedanken kurz loswerden, der da mit dranhängt.
Da draußen sagen viele: Hey Dominik, du kannst so viele tolle Sachen. Danke, das freut mich wirklich. Aber ich investiere hier nicht nur Zeit, sondern auch sehr, sehr viel Geld. Und dann kommen diese Anfragen: Lass uns doch zusammenarbeiten, partnermäßig, was kannst du für mich tun. Übersetzt heißt das meistens: Mach das mal, am besten kostenlos, das darf ja nichts kosten. Und ich denke mir: Leute, ich reiß mir hier den Arsch auf.
Das soll heute gar nicht das Thema sein. Nur so viel: Wertschätzung. Respekt vor dem, was andere Menschen leisten. Habt da ein Auge offen. Denn manchmal knallt man dem falschen Menschen im falschen Moment das Falsche an den Kopf, und daraus werden Kettenreaktionen. Ich weiß, wovon ich rede, ihr kennt meine Geschichte. Falsche Worte können einen emotionalen Tsunami auslösen. Und der macht vor niemandem halt.
Aber darauf wollte ich nicht hinaus. Ich wollte auf den perfekten Tag hinaus. Da war ja was.
Die Batterien sind voll
Ich habe mir also erlaubt, den Großen zu fragen: Hey, was hast du heute vor? Es kam die Antwort, die vermutlich gerade in Millionen Kinderzimmern gleichzeitig gegeben wird, in genau derselben Tonlage: Ja, nichts.
Nichts. Natürlich. Also nachgelegt: Das Wetter ist schön, der Tesla steht bei 90 Prozent, die Batterien sind voll. Meine ehrlich gesagt nicht ganz, aber das musste er ja nicht wissen. Hast du Bock, was zu unternehmen? Ja, und was? Lass uns nach München fahren, schön essen gehen. Und da war er plötzlich hellwach.
Irgendwann trottete auch der Kleine die Treppe runter. Julius hat gerade diese Phase: Ich muss mich durchsetzen, ich muss mich beweisen. Ist okay. Er hat von mir die offizielle Genehmigung, Netflix zu gucken und wach zu bleiben, solange er will. Das nutzt er aus, mit vollem Einsatz. Und so sah er auch aus. Größere Augenringe kann man nicht herstellen, nicht mal mit Schminke. Aber hey: Er hat seinen Kopf durchgesetzt. Genauso soll er das machen. Das gehört zum Großwerden dazu, und ich will es ihm nicht nehmen. Als er wieder ansprechbar war, habe ich auch ihn gefragt. München? Nee, cool, können wir machen. Laptops eingepackt, und wir düsen los.
Nürnberger Autobahn, der erste Stau. Wunderbar. Da freut man sich immer. Kurz überlegt: Fahren wir stattdessen nach Nürnberg? Nein. Ich wollte nach München. Unbedingt. Und der Grund dafür ist ein kleines Geheimnis, das ich heute lüfte.
Sawasdee ka
Spoileralarm: Wir fahren in den Urlaub. Und in zwei Wochen starten damit auch die Reiseblogs wieder.
Wir haben lange gesucht. Zypern. Griechenland. Spanien. Kanaren, Balearen. Und Leute, ich muss es einfach fragen: Was ist mit unserer Welt los? Vor fünf, zehn Jahren war eine vierköpfige Familie für einen schönen Urlaub 3.000 bis 4.000 Euro los. Letztes Jahr auf Kreta war es schon mehr als das Doppelte, aber gut, wir wollten es unbedingt sehen. Dieses Jahr bin ich beim Suchen fast vom Stuhl gefallen. Ibiza, mein kleiner Traum. Ich bin großer Fan vom Café del Mar, ich wollte es den Kindern zeigen. Und dann öffne ich das Reiseportal und sehe Hotels, die für zehn Nächte 10.000, 14.000, 16.000 Euro aufrufen. Welche Familie mit zwei Kindern soll das bezahlen? Ganz ehrlich: Bevor ich für 6.000 Euro eine Woche türkische Riviera buche, bleibe ich daheim und fahre in den Schwarzwald.
Und dann habe ich, ganz unverbindlich natürlich, nach diesem einen Land gesucht. Ihr wisst, welches. Sawasdee ka. Willkommen in Thailand.
Der ganze Spaß kostet nicht mal annähernd so viel wie Ibiza. Lasst das kurz sacken: Einmal um die halbe Welt ist günstiger als eine Mittelmeerinsel. Wohin genau es geht, verrate ich noch nicht, das hebe ich mir für den Reiseblog auf. Nur so viel: Es geht in mein altbekanntes Ziel, weil ich mir gedacht habe, für meine Familie, die noch nie in Thailand war, ist das der perfekte Anfang. Der eine oder andere Profi-Follower ahnt es längst. Am 25. August geht es los.
Thailand liegt hinter dem dritten Stau
Und weil Thailand schon im Kopf war, wusste ich auch, wohin in München. Nach dem zweiten und dritten Stau, zähflüssig bis Geduldsprobe, sind wir ins Werksviertel. Authentic Thai Food, ein Markt, wie er im Buche steht.

Und Leute: Es war so lecker. Man sitzt auf Plastikstühlen, die Tuk-Tuks stehen mitten im Raum, die Küchen dampfen direkt neben dir, alles ist bunt, alles lacht, alles strahlt. Für die Vorsichtigen unter euch: Es gibt alles auch im Langnasen-Style, also mild, keine Sorge, ihr überlebt das. Das ist Thailand pur. Eine kleine Enklave dieses wunderschönen Landes, eine kleine Insel, mitten im Herzen von München. Mitten in meiner Heimat. Ich saß da, roch Zitronengras statt Leberkäs, und für einen Moment war der 25. August ganz nah.
Danach habe ich meine Jungs gefragt, ob sie ein Problem damit hätten, wenn Papa kurz einen seiner besten Freunde besucht. Hatten sie nicht. Und so gab es einen Kaffee und ein bisschen Geratsche mit meinem lieben Gerhard. Einer meiner Herzensfreunde, seit dreißig Jahren an meiner Seite, durch alle Höhen und alle Abgründe.
Solche Menschen gibt es zu selten. Haltet sie fest.
Leuchtende Augen
Dann der Pflichttermin. Was wollen Kinder in München? Genau. In den Big Apple. Also ab zum Marienplatz, rein in den Apple Store.
Ich wollte eigentlich nur mein Anliegen loswerden: Der Rahmen meiner VR-Brille sitzt nicht richtig, ich habe ständig Reflexionen im Display. Also wurde mein Gesicht feierlich neu vermessen. Ergebnis der Messung: dasselbe wie beim letzten Mal. Viel Hin und Her, viel Nichts. Manchmal ist Hightech auch nur ein sehr teurer Weg, um zu erfahren, dass sich das eigene Gesicht nicht verändert hat.
Während ich also vermessen wurde, hat mein Großer die Zeit genutzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass er dringend ein neues iPhone braucht. Kann ich mein altes dalassen? Der Verkäufer nannte die Eintauschprämie, und wupps, hatte mein Sohn ein neues iPhone in der Hosentasche. So schnell kann kein Vater gucken.

Und bevor jetzt draußen wieder einer denkt, der Dominik hat Kohle ohne Ende: Nein. Dominik ist nicht reich. Dominik hat nicht mal eine Tätigkeit, der er gerade nachkommt. Das Entscheidende ist ein anderes: Der Junge hat sich das Ding selbst erspart. Eigenes Geld, brav zur Seite gelegt, monatelang. Und dann steht er da mit seinem neuen Telefon und diesen Augen. Ihr kennt dieses Leuchten. Wenn dein Kind dich anschaut und einfach nur glücklich ist. Für dieses Leuchten mache ich das alles.
Gewitter
Und dann kam das Wetter. Nicht das da draußen. Das in der Familie.

Wir waren noch ins Olympia-Einkaufszentrum gefahren, Tesla laden, und noch mal kurz in den Apple Store, weil das neue iPhone nicht starten wollte. Am Ende fehlte ihm nur gutes WLAN. Kenne ich, mir geht es morgens ähnlich.
Maximilian fand nebenan noch ein Paar Schuhe, die er richtig toll fand. Und genau da zogen sie auf, die Gewitterwolken. Der Donner kam durch Julius. Denn Julius fand das alles nicht so toll. In keinerlei Hinsicht. Der Große kriegt Schuhe und ich nicht, ihr kennt diese Rechnung, sie geht in Kinderköpfen nie auf. Ab da war es vorbei. Das Gesicht fiel, die Laune sank, und ich habe geredet, angeboten, gefragt. Willst du auch Schuhe? Brauchst du was? Was zum Trinken, was zum Essen? Ich habe mir den Mund fusselig geredet. Es war alles vollkommen nichtig. Wenn ein Kind beschlossen hat, dass die Welt ungerecht ist, dann kannst du ihm die halbe Welt anbieten. Sie bleibt ungerecht.
Eigentlich wollten wir noch nach Starnberg an den See. Wollten wir. Es wurde später und später, der Tesla stand längst wieder auf 100 Prozent, nur wir hatten keinen Saft mehr. Und ich dachte: Okay. Dann fahren wir halt wieder nach Hause.

Die Rückfahrt begann schweigend. Irgendwann setzte sich Julius zu mir auf den Beifahrersitz und fing an, gegen sein eigenes Gewitter anzureden. Er hat es versucht, das muss man ihm lassen. Es war mühselig, für uns beide. Und das ist genau der Punkt, der mich an solchen Tagen zerreißt: Auf der einen Seite weiß ich, das sind Kinder, das ist ihr Job. Auf der anderen Seite können sich die schönsten Momente durch genau solche Kleinigkeiten in Luft auflösen.
Der perfekte Tag?
Daheim gab es das leckere Essen vom Vortag, ein bisschen Fernseher, dann war Bettgehzeit. Und ich habe noch eine Weile dagesessen und über dieses Fragezeichen nachgedacht.
Denn mein Problem an solchen Tagen ist ja nicht der Stau und nicht das Kindergewitter. Mein Problem ist: Ich kämpfe sowieso schon, jeden Tag, mit meiner eigenen Psyche. Für mich ist es schwer, in eine Stadt zu gehen. Für mich ist es schwer, in einen vollen Apple Store zu gehen. Für mich ist es schwer, überhaupt unter Menschen zu sein. Das alles kostet mich Kraft, die man mir nicht ansieht. Und wenn dann noch zwei Kinder im Dauerclinch sind, der hat, der hat nicht, der hat das gesagt, dann läuft mein Akku schneller leer als jeder Tesla.
Und trotzdem. Jeder von euch, der Kinder hat, lacht gerade innerlich, weil ihr es kennt. Ich sage euch was: Sie sind alle gleich. Alle. Wenn Fremde dabei sind, heißt es: Ach, ihr habt aber liebe Kinder. Ja. Haben wir. Und kaum ist man unter sich, kommt die wahre Seite raus. Bei euren übrigens auch, das wisst ihr genau.
Und trotzdem lieben wir sie abgöttisch. Genauso mache ich das auch.
Es gibt nur schöne Tage mit Gewittern drin.
War es also der perfekte Tag? Nein. Das Fragezeichen bleibt. Aber vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis: Der perfekte Tag existiert nicht. Es gibt nur schöne Tage mit Gewittern drin. Und dieser hier war ein schöner Tag. Denn ich habe Zeit mit meinen Kindern verbracht. Mit meiner linken und meiner rechten Herzklappe.
Mehr braucht ein Herz eigentlich nicht.
Ich wünsche euch was.
Willkommen an Board, euer Dominik